Tillandsien - Wissenswertes und Informatives

In den letzten Jahren hat die Tillandsie - eine exotische Schönheit mit außergewöhnlicher Lebensweise - zunehmend die Herzen vieler Pflanzenfreunde erobert. Die Tillandsie gehört zur Familie der Ananasgewächse (Bromeliaceen) und stammt ursprünglich aus Mittel- und Südamerika. Dort wächst sie als Aufsitzerpflanze (Epiphyt) auf Bäumen, abgestorbenen Baumteilen, Telefondrähten, Mauern und Dächern.

Mit herkömmlicher Gärtnerei hat die Tillandsienkultur kaum noch etwas gemeinsam. Um Erdmischungen braucht man sich nicht zu kümmern. Blumentopf und Giesskanne sind abgemeldet. Die epiphytische Lebensweise wird durch Aufbinden auf Äste (Rebhölzer), Wurzelstöcke o.ä. nachempfunden. Tillandsien stellen - wie alle Lebewesen - bestimmte Anforderungen an die Menge und Qualität des Wassers. Sie bevorzugen weiches Wasser von Zimmertemperatur. Weiches Wasser erhält man durch Regenwasser, abgekochtes Wasser oder mit Hilfe spezieller, im Fachhandel erhältlicher, Wasserenthärter. Es genügt zumeist, die Tillandsien 1-2mal pro Woche mit dem weichen Wasser zu besprühen. Die Ernährung der Pflanze erfolgt fast ausschließlich über die Blätter, welche kleine Saugschuppen besitzen, die das Wasser oder den Nebel aus der Luft aufnehmen und in die Pflanze leiten. Die Kultur mit anderen Pflanzen, beispielsweise mit Orchideen und Farnen, fördert durch ein angenehmes Kleinklima das Wachstum.

In der Regel ist das Wurzelsystem bei den Tillandsien nicht so stark entwickelt wie bei anderen Pflanzen. Doch mit ihrem drahtigen Wurzelwerk halten sie sich an Baumrinden oder Felswänden enorm fest. Tillandsien ernähren sich, wie die Mehrzahl der Bromeliengewächse, nicht oder nur zum Teil über die Wurzeln. Nur wenige bilden die sonst für die Ananasgewächse typischen zisternenhaften Blatt-Trichter. Die Tillandsienblätter sind bei vielen Arten mit einer Schicht kleiner Schuppen bedeckt, die mehrere Funktionen ausüben. Sie schützen das Blattwerk vor zu starker Verdunstung und zum anderen halten sie damit einen kleinen Teil des Regenwasser fest. Aber vor allem saugen sie mit dieser Einrichtung den allmorgendlichen Tau und die in ihm befindlichen Kleinstteilchen an Mineralstoffen auf.

Eine ausreichende Luftbewegung ist unbedingt erforderlich. Stockende Luft und Feuchtigkeit auf den Pflanzen führen stets zu Fäulnis.

Allgemein läßt sich sagen, daß die grünen, dem Regenwaldklima entstammenden Arten, mehr Wärme, Feuchtigkeit und weniger Sonneneinstrahlung benötigen als die grauen Arten, welche sonnige Standorte bevorzugen und mit weniger Feuchtigkeit auskommen.

Werden die Pflanzen auf der Fensterbank gehalten, sollten sie zwei bis drei Mal in der Woche tropfnaß besprüht oder getaucht werden. Das Besprühen sollte vorteilhafterweise morgens erfolgen, da sich die Assimilationsporen bei zunehmender Sonneneinstrahlung schließen und keine Wasseraufnahme möglich wird. Es ist ebenfalls zu vermeiden, daß die Pflanzen über Nacht feucht bleiben, da dies zu Fäulnis führen kann.

Im Sommer, von Mai bis Oktober, fühlen sich die Pflanzen an einem halbschattigen Platz auf dem Balkon oder im Garten am wohlsten. Die ständige Luftbewegung und die Nachtabkühlung kommen dem heimatlichen Klima am nächsten. Ein warmer Sommerregen kann Wunder wirken. Bei längeren Trockenperioden ab und zu besprühen. Das Wasser sollte weich und nicht kalt sein. Tillandsiendünger fördert das Wachstum.

Zur Skizze: Bau und Funktionsweise der Saugschuppen

AZ=Aufnahmezelle DZ=Deckelzelle E=Epidermis FZ=Fußzelle, KZ=Kuppelzelle SZ=schuppenzelle

Die Pfeile zeigen den Weg des Wassers in die Pflanze

(aus Ehlers 1977)